Lightroom CC vs. mit Lightroom Classic

Seit einiger Zeit hat Adobe zur bisherigen Lightroom Version –auch Classic genannt- das neue, Cloudbasierte Lightroom CC im Portfolio. Diese Version wird von vielen Altnutzern bisher völlig außer Acht gelassen. Warum eigentlich?

Als das neue Lightroom CC (in Folge LR CC genannt) von Adobe an den Start ging, waren die einzelnen Bearbeitungsmöglichkeiten eher rudimentär. Auch heute noch geht noch nicht alles, was mit LR Classic möglich ist. So ist die Bearbeitung der Metadaten in LR CC nur sehr eingeschränkt möglich und gerade was die Stapel-/ Massenverarbeitung betrifft, hinkt LR CC noch um einiges hinterher.

Doch gerade, wenn man wie ich es leid ist, auf einen Arbeitsplatz beschränkt zu sein, lohnt sich ein Blick zu LR CC. Vielleicht kennen einige das Problem: man ist im Urlaub, hat seine Bilder auf dem Laptop oder dem iPad, etc. und fängt dann zuhause quasi mit der Bildbearbeitung und der Archivierung von vorne an, weil man seine Fotos in seine Datenbank importieren muß. Das gleich gilt sicher auch für Fotografen, die beim Kunden schon eine Bildauswahl treffen und bearbeiten müssen. Wäre es nicht schön, wenn man nach Hause kommt und Lightroom würde sich automatisch mit dem Laptop synchronisieren? Dafür haben in der Vergangenheit schon einige Fotografen die verschiedensten Lösungen entwickelt. Aber offiziell hat LR Classic keine „Netzwerklösung“.
Mit LR CC dagegen werden alle Bilder in die Adobe Cloud geladen und auf die verbundenen Geräte synchronisiert. Mittlerweile gilt das auch für abgespeicherte Vorlagen und importierte Kameraprofile. Wie also verbindet man die Vorteile von LR CC und LR Classic ohne mit den Nachteilen leben zu müssen?

Mein Workflow

Zuerst natürlich der obligatorische Disclaimer: das ist meine Lösung. Sie funktioniert für mich, sie muss es nicht für Dich tun. Ich bin nicht für irgendeinen Datenverlust verantwortlich, außer für meinen eigenen. Cloudbasierte Speicherung birgt immer ein gewisses Risiko.  Sei Dir dessen bewusst und sichere Deine Daten auch lokal. Diese Lösung ist nicht final, im Laufe der Zeit hat sich mein Workflow einige Male verändert und wurde immer an die neuen oder geänderten Funktionen in LR CC angepasst.

Neben dem Creative Cloud Fotopaket (enthält LR Classic & CC, Photoshop und 20 GB Speicher in der Cloud) gibt es derzeit das Lightroom CC Fotopaket (enthält LR CC und 1 TB Speicher in der Cloud). Beide sind momentan für knapp 12€ im Monat erhältlich. Ich schreibe bewusst momentan, weil Adobe hier scheinbar an der Preisschraube dreht. Wer tiefer gräbt und vielleicht auch den Service anruft, bekommt auch individuelle Lösungen. So habe ich  LR Classic & CC, Photoshop und 1TB in der Cloud.
Zuerst sollte man sich darüber klar werden, dass die Bilder und Daten von beiden Apps nicht gleich synchronisiert werden. So werden z.B. Bilder, die in LR Classic importiert wurden nur synchronisiert wenn sie in einem Ordner liegen der für die Synchronisation freigegeben wurde. Kommen die Bilder dagegen über die Creative Cloud nach LR Classic, landen sie auch so im übergeordneten Ordner „Alle Fotos“.
Werden Fotos, die in LR CC importiert und über die Cloud nach LR Classic synchronisiert wurden, in LR CC wieder gelöscht, bleiben in LR Classic die „Karteileichen“ erhalten. Werden sie dagegen in Classic gelöscht, verschwinden sie auch in LR CC. Verwirrend, nicht wahr?! Ach ja.., und natürlich werden keine Bilder automatisch in die Cloud geschoben, die in LR Classic neu „erstellt“ wurden, also z.B. HDR & Panoramen. Warum Adobe nicht einfach an LR Classic eine vernünftige Synchronisation mit der Creative Cloud geschraubt hat, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Nun gut.., fangen wir „einfach“ mal an. Zuallererst sollte man seine bisherige LR-Datenbank, inkl. Bilder sichern und für ein „jungfräuliches“ LR Classic & CC sorgen. Bei Null anzufangen ist hier viel einfacher, als zu versuchen die bisherige Bildersammlung in den neuen Workflow zu integrieren. Ich selber habe 5 (FÜNF) Mal von vorn beginnen müssen, bis für mich alles funktionierte.

Das Importieren der Bilder von der Speicherkarte erfolgt IMMER in LR CC, vorzugsweise bei abgeschalteter Synchronisation. Es macht keinen Sinn alle RAW Files gigabyteweise in die Wolke zu pumpen, wenn wir nach dem Aussortieren eh wieder viele Bilder löschen. Ich persönlich bin kein Bildermessie und lösche alles, was nicht über ein „ganz nett“ hinaus kommt. Erst nach der finalen Auswahl und dem Löschen des Mülls der abgelehnten Bilder schalte ich die Synchronisation wieder an und beginne mit einer Grundbearbeitung. Auch können jetzt schon Tags und rudimentäre Metadaten zu den Bildern hinzugefügt werden.

Ist die Synchronisation der Bilder in die Cloud erfolgt, wird LR Classic geöffnet. Hier zieht sich die App die neuen Fotos automatisch aus der Wolke. Anschließend habe ich die Möglichkeit in LR Classic mit dem Feintuning zu beginnen. Verlaufsfilter, Pinsel und punktuelle Reparaturen machen sich in Classic immer noch einfacher als in CC. Alle Bildbearbeitungen werden über die Cloud sofort mit LR CC synchronisiert.

Anschließend gibt es noch einige Arbeitsschritte, für die es in CC noch keine Lösung gibt. Z.B. die Umbenennung:

  1. Meine Fotos bekommen alle einen neuen Dateinamen, bestehend aus Datum und Uhrzeit. Das geht mit LR Classic über einen Assistenten. Die Umbenennung findet sich in LR CC wieder.
  2. Metadaten. Welcher Fotograf, Copyright, Kontaktdaten, etc. In LR Classic kann ich EXIF und IPTC Daten komplett verwalten. Diese Daten werden teilweise auch nach LR CC synchronisiert.
  3. Automatisches Backup. Über die Veröffentlichungsdienste von LR Classic exportiere ich alle neuen und neu bearbeiteten Bilder als JPEG in voller Auflösung auf einem externen Laufwerk.

Es mag im ersten Moment mühsam erscheinen mit zwei Programmen zu arbeiten und dabei auf die richtige Reihenfolge der Synchronisation zu achten. Die Vorteile überwiegen für mich aber dabei. Während auf dem Laptop nur Referenzen meiner Fotos liegen und mir dadurch die Festplatte nicht vollmachen, zieht sich LR Classic auf dem Desktoprechner die Raw Files und sichert so meine Bilder im Original auf der Festplatte. Wenn ich auf Reisen meine Bilder auf dem Laptop gesichtet, aussortiert und bearbeitet habe, bin ich fertig. Wenn ich wieder zuhause bin, muss ich nur noch den Desktop einschalten und warten bis meine fertigen Fotos nach LR Classic geladen wurden. Zu guter Letzt stehen mir alle meine Bilder auf allen Geräten zur Verfügung: Rechner, Laptop, Smartphone & Pad. Von allen Geräten kann ich meine Fotos exportieren und als Webgalerie freischalten.
Die Nachteile liegen dabei natürlich auf der Hand und sollen auch gar nicht verschwiegen werden: Ohne eine dicke Netzanbindung macht die Sache wirklich keinen Spaß. Selbst mit 100Mbit/s dauert es seine Zeit, seine Raw Files über das Internet zu synchronisieren. Und das ist auch schon der zweite Nachteil. Egal wie schnell die Leitung ist, der Workflow wird immer mehrfach unterbrochen.

Adobe hat bisher Stück für Stück neue Funktionen in LR CC hinzugefügt und ich hoffe, sie hören damit auch in Zukunft nicht auf. Noch besser wäre es gewesen, hätte sich Adobe darauf konzentriert LR Classic die volle Synchronisation mit der Creative Cloud zukommen zu lassen.

Nachtrag (19.05.2019):

Was mir gerade noch einfällt: Adobe lässt in der Wolke nur zwei Geräte zu, z.B. Desktop und Laptop. Ich glaube, die mobilen Endgeräte sind nicht limitiert. Was mich aber vor allem nervt ist, dass nur eine LR Classic Datenbank synchronisiert wird. Versucht man, LR Classic mit seinen Zugangsdaten auf einem anderen Rechner in die Wolke zu hängen, wird nach einer Warnung LR Classic auf dem bisherigen Rechner abgetrennt.

Nachtrag (13.06.2019):

Vor einigen Tagen sind wir aus dem Urlaub zurück gekehrt und ich hatte, wie geplant, alle Bilder auf dem Laptop aussortiert, bearbeitet und durch das Hotel WLAN in die Adobe Cloud gepumpt. Zuhause lief dann LR Classic ca. 30 min. und die Fotos waren synchronisiert und mussten dann nur noch extern gesichert werden. Alles in allem keine große Sache mehr.

Adobe, Bildbearbeitung, Creative Cloud, Lightroom


Olaf Höch

“Mit guten Bildern ist es manchmal wie mit Diamanten: Sie entstehen unter großem Druck.” - Maurice Haas -

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Olaf Höch


"Mit guten Bildern ist es manchmal wie mit Diamanten:
Sie entstehen unter großem Druck."